Datum: 19.01.2015
Zeitung: Neue Nidwaldner Zeitung
Author: Kurt Liembd

Faszinierende Filmmusik mit Bildern

Von Piraten, dem „König der Löwen“ und „Den glorreichen Sieben“: Zwei Orchester spannten für faszinierende Filmmusik zusammen.

Der Orchesterverein Nidwalden (OVN) sorgt oft für positive Überraschungen: letztes Jahr mit Mozarts Klavierkonzert, vor zwei Jahren mit einer Lehrstunde in Barockmusik und vor drei Jahren mit einem tierischen Programm. Am diesjährigen Neujahrskonzert hat sich das Orchester der Filmmusik verschrieben in Zusammenarbeit mit der Harmoniemusik Stans und sogar mit einem Live-Illustrator. So sassen fast hundert Leute auf der Bühne, um als Kollektiv weltbekannte Filmmusik zu präsentieren.

Da stellte sich vorgängig die Frage: Geht das überhaupt ein klassisches Symphonieorchester mit einer Blasmusik? Wie können die Dirigenten Tobias von Arb (Orchesterverein Nidwalden) und Silvia Riebli (Harmoniemusik) die beiden Klangkörper sinnvoll zusammenführen? Und wie tönt das wohl? Das Resultat war eine geglückte Darbietung mit einem begeisterten Publikum. Es war eindeutig mehr als bloss ein Experiment, dafür sorgten alle Ausführenden mit ihrer musikalischen Leistung.

Zwischen Horror und Comedy
„Konzert ausverkauft“, so die Botschaft wenige Tage zuvor an diejenigen, die noch Billette kaufen wollten. So ging das Konzert am Samstag und am Sonntag vor vollen Rängen im Stanser Kollegisaal über die Bühne. Dem dankbaren Publikum wurde dabei schnell bewusst, dass Filme ohne Musik nur halb so gut wären oder oft gar nichts. Denn Soundtracks sorgen für Spannung, Heiterkeit und Emotionen. Filmmusik bewegt sich aber auch zwischen Horror und Comedy.

Den beiden Dirigenten ist all dies gelungen und vor allem, Stimmungen so wiederzugeben, dass bei den Zuhörern gewisse Filmszenen innerlich abliefen. Das Spektrum reichte von Mickey Mouse über James Bond bis zum „König der Löwen“ und zum Schurkenspektakel „Pirates of the Caribbean“.

Der meisterhafte Zeichner
Unterstützt wurde das musikalische Geschehen auf der Bühne von Diego Balli (49), einem der bekanntesten Schweizer Illustratoren. Mittels Videobeamer schuf er live entsprechende Bilder auf die Leinwand, was das Publikum verblüffte. „Ich habe im Hinblick auf dieses Konzert speziell viel geübt“, verriet Diego Balli im Gespräch mit unserer Zeitung. Entsprechend erwies sich das Resultat, seine Zeichnungen waren von professionellem Zuschnitt. Diego Balli ist in Nidwalden kein Unbekannter, lebt er doch in Hergiswil und hat kürzlich unter anderem mit der Herausgabe des Buches „Dr Tirlidokter“ für Aufsehen und Bewunderung gesorgt.

Seelenbalsam mit „Leopard“
Eröffnet wurde der genussreiche Konzertabend mit dem „Mickey-Mouse-Marsch“ von Jimmie Dodd, der zwar nicht leicht zu spielen ist, aber umso mehr das Publikum positiv einstimmte. In einem Medley aus James-Bond-Filmen wurde bewusst, wie viele weltbekannte Komponisten schon für den Agenten 007 komponiert haben, so Monty Norman, Bill Conti, John Barry, Marvin Hamlisch und sogar Paul ­McCartney.

Es folgten weitere Highlights aus „The Lion King“ (Musik Hans Zimmer), „Fluch der Karibik“ (Musik Klaus Badelt) und „Den glorreichen Sieben“ (Musik Elmer Bernstein). Natürlich durften die Soundtracks aus „Star Wars“ nicht fehlen mit Musik des unsterblichen John Williams, eines der grössten Filmkomponisten überhaupt. Der Orchesterverein nahm die Gelegenheit wahr, sich auch allein ohne Harmoniemusik darzubieten, und spielte die Tänze von Nino Rota aus dem Film „Il Gattopardo“ (Der Leopard).

Was das Orchester bot, war Seelenbalsam für jeden Freund von sogenannter gehörfälliger Musik. Die Musiker spielten im Genre fast wie in der Wiener Klassik, zauberhaft schön bis zu süss-romantisch. Die Darbietung machte viel Lust, den „Leoparden“-Film (wieder) mal anzuschauen.

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