Datum: 20.01.2014
Zeitung: Nidwaldner Zeitung
Author: Kurt Liembd

Das hätte auch Beethoven beeindruckt

Über 100 Musiker und Sänger begeisterten am Neujahrskonzert des Orchestervereins Nidwalden. Das Publikum zeigte sich ergriffen.

Er war der Star des Abends: Christopher Cheung (43), Pianist mit Konzert- und Solistendiplom, seit 22 Jahren Musiklehrer am Kollegium Stans. „Ich bin schon etwas nervös“, sagte er eine Viertelstunde vor seinem Auftritt gegenüber unserer Zeitung. Es war aber eine „gesunde Nervosität“, denn was Christopher Cheung am Neujahrskonzert des Orchestervereins Nidwalden zum Besten gab, zeugte von grosser Klasse und war von professionellem Zuschnitt.
Dies ist umso erstaunlicher, da er die beiden Klavierwerke bisher gar nicht in seinem Repertoire hatte. Cheung spielte alles auswendig und mit solcher Hingabe, wie wenn er diese Werke schon hundert Mal aufgeführt hätte. „Ich habe mich während sechs Monaten intensiv vorbereitet“, erklärte Cheung. Vom Resultat konnte man sich am Samstag und am Sonntag im fast ausverkauften Kollegi-Saal in Stans überzeugen.

Feinstes von Mozart
Eröffnet wurde das genussreiche Neujahrskonzert mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 in C-Dur, welches mit rund 35 Minuten Dauer zu den sinfonischen Konzerten gehört. Dirigent Tobias von Arb gelang es ausgezeichnet, die Zwiesprache zwischen Solo und Orchester zu erarbeiten, und er legte dabei grossen Wert auf feinsinnige Schattierungen in der Instrumentation. So gelang es ihm auf verblüffende Art, die Klarinetten ins Geschehen zu integrieren, auch wenn diese von Mozart nicht vorgesehen waren. Solist Christopher Cheung brillierte mit Charme und feinen Empfindungen für diese liebenswerte Art der Mozart’schen Musik. Auch die Wechsel der Hauptthemen von Dur auf Moll zeugten von einer reifen Interpretation. So erhielt dieses Klavierkonzert in weiten Teilen gar romantischen Charakter, was der Weiterentwicklung des Komponisten Rechnung trägt.

Abschied wörtlich genommen
Ebenfalls im Stil der Wiener Klassik stand die „Abschiedssymphonie“ von Joseph Haydn, welche in der aussergewöhnlichen Tonart fis-Moll daherkommt. Doch die Tonart war für das Orchester praktisch kein Problem. Jeder der fünf Sätze gelang in einer angenehm differenzierten Dynamik und Farbigkeit. Einzig der zweite Satz (Adagio) wirkte etwas monoton und wegen der vielen Wiederholungen etwas (zu) lang. Doch es gibt in diesem Satz halt einfach zu wenig melodische Themen, und es spielen fast nur Streicher. Für einen völlig überraschenden Höhepunkt sorgte dafür ein weiteres Adagio nach der Generalpause am Schluss nach dem Presto. Musiker für Musiker stand auf, alle paar Takte einer mehr, und verliess den Saal ganz im Sinne des Titels „Abschiedssymphonie“. Bis am Schluss nur noch zwei einsame Geiger auf der Bühne übrig blieben, welche mit tosendem Applaus überschüttet wurden.

Begeisterung für „kleine Neunte“
Höhepunkt des Konzertes bildete die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester von Ludwig van Beethoven. Mit ihr spreng der Komponist das klassische Klavierkonzert, indem er den Chor mit einbezieht und sich in freier Fantasie vom dreisätzigen Konzertschema löst. Wie bei der Stanser Aufführung unschwer zu erkennen war, lieferte die Aufführung eine Vorahnung auf die neunte Symphonie des grossen Meisters. Doch die Frage einiger Konzertbesucher, ob man in Stans wohl schon bald „Ode an die Freunde“ hören könne, dürfte im Moment wohl etwas gar euphorisch sein, auch wenn der Vorläufer dazu das Publikum in seinen Bann zog. Zur gelungenen Aufführung trugen massgeblich der über 60-köpfige Gemischte Chor Stans unter der Leitung on Stephan Britt sowie der Solist Christopher Cheung bei. Nur schon die Einleitung mit den munteren Träumereien am Klavier faszinierte das Publikum, aber auch der satte Chor- und Orchesterklang mit rund 120 Ausführenden auf der Bühne.

Zurück