Datum: 21.01.2013
Zeitung: Neue Nidwaldner Zeitung
Author: Kurt Liembd

Eine grossartige Lehrstunde in Barockmusik

Der Orchesterverein Nidwalden präsentierte Musik des Barocks in ihrer ganzen Fülle. Mit einer brillanten Sopranistin.

Die Periode der Barockmusik ist auch im 21. Jahrhundert sehr beliebt – bei Musikern ebenso wie beim Publikum. Auf diesen Zeitraum von etwa 1600 bis 1750 hat der Orchesterverein Nidwalden an seinem Neujahrskonzert am Samstag und Sonntag kompromisslos den Fokus gerichtet. Dabei standen nicht die Grosswerke wie etwa Händels „Messias“ oder die Bachschen Passionen im Vordergrund, sondern Werke von teils weniger bekannten Komponisten. Es wurde ein gelungener Konzertabend, an dem die Zuhörer eindrücklich in den Genuss der riesigen Fülle kamen, welche die Barockmusik bietet.

Traditionelle Instrumente
Trotzdem: Es bleibt die Frage offen, weshalb am Samstag nicht mehr Leute den Weg ins Kollegi fanden, um diesen Genuss zu erleben. Dass der Kollegisaal halb leer blieb, kann jedenfalls nicht mit dem Programm und schon gar nicht mit der Ausführung erklärt werden. Diese war für ein Laienorchester nämlich durchwegs Spitze, und Dirigent Tobias von Arb ist es gelungen, seine Leute zu hohen Leistungen zu führen. Vielleicht lag es einfach am Datum, denn am selben Abend gab es noch weitere Kulturanlässe auf hohem Niveau in nächster Umgebung wie die Premiere des Stanser Theaters oder das Konzert der Feldmusik Sarnen.
Jene, die am Konzert waren, haben es jedenfalls nicht bereut. Mit grosser Klangpracht auf hohem technischem Niveau musizierte das Orchester – sowohl die Stammmusiker wie auch die Gastsolisten. Letztere spielten teilweise auf traditionellen Instrumenten wie Laute (Josías Rodríguez Gándara) oder Violine piccolo (Christoph Rudolf). Unter dem Titel „Kavaliersreise Barock“ zeigte das Orchester auf eindrückliche Weise, dass diese Musikepoche nicht nur aus höfischer Tafelmusik besteht, sondern aus einer grossen Bandbreite der damaligen Instrumentalmusik. Oft war es ein Wetteifern von Stimmen (vokal wie instrumental), vor allem in den Concerti grossi. Ebenso eindrucksvoll zeigte das Orchester, dass im Barock die eigentliche Chromatik gepflegt und „erfunden“ wurde. Das Spektrum reichte von Arcangelo Corelli und Johann Joseph Fux über Jean-Philipp Rameau bis Georg Philipp Telemann, der Ikone unter all den barocken Tonkünstlern.

Gewaltiges Stimmvolumen
Höhepunkt des Abends bildete das Werk „Silete venti“ von Georg Friedrich Händel. Unbestrittene Solistin des Abends war die Sopranistin Carmela Konrad (32). Sie lieferte eine perfekte Performance, die wohl nur einer Künstlerin gelingt, die musikalisch so abgestützt ist wie sie. Nebst einem abgeschlossenem Doppelstudium Gitarre und Gesang an der Musikhochschule Luzern spielt Carmela Konrad auch Violine und Klavier und hat internationale Erfahrungen in grossen Konzertsälen in Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien und Ägypten.
Das Publikum war beeindruckt, wie sie selbst schwierigste Passagen ohne geringste Unsicherheit und auf professionellem Niveau meisterte. Manch einer im Publikum hat wohl kaum erwartet, dass eine derart zierliche Frau ein so gewaltiges Stimmvolumen hervorbringt. Das Publikum zeigte sich von allen Vorträgen begeistert und spendete minutenlangen Applaus. Weshalb das Orchester trotzdem keine Zugabe spielte, darüber rätselten wohl einige Zuhörer auf dem Heimweg.

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