Datum: 13.03.2012
Zeitung: Neue Nidwaldner Zeitung
Author: Kurt Liembd

Wie die Bremer Stadtmusikanten tönen

Humor in der Musik: Der Orchesterverein Nidwalden bewies ihn mit einem tierischen Programm für Erwachsene wie Kinder.

Auffallend viele Kindergesichter sah man am Samstag und Sonntag im Publikum am Neujahrskonzert des Orchesterverein Nidwalden im Kollegisaal Stans. Allein schon die «Bremer Stadtmusikanten» versprachen eine Märchenstunde, die auch Erwachsene in den Bann zog. Bekannt sind die vier tierischen Musikanten auf der ganzen Welt, wie sie aber tönen, das wissen wohl die wenigsten. Und wer hat schon gewusst, dass ein zeitgenössischer Schweizer Komponist, Franz Tischhauser (geb. 1921), die «Bremer Stadtmusikanten», das beliebte Märchen der Brüder Grimm, vertont hat?

Solisten gefordert
Mit ihrer vorzüglichen Darbietung eroberten die fünf Solisten die Herzen des Publikums im Nu: Simone Bissegger (Fagott) als Esel, Emil Wallimann (Klarinette) als Hund, Peter Vögeli (Oboe) als Katze, Verena Kesseli (Flöte) als Hahn und Tobias von Arb (Klavier) als Räuberbande.
Da sich der Komponist nur eines minimalen Instrumentariums bedient, wurde jeder der Solisten bis aufs Äusserste gefordert. «Ich habe schon lange nicht mehr so viel üben müssen wie bei diesem Stück», sagten zum Beispiel Emil Wallimann und Verena Kesseli übereinstimmend gegenüber dieser Zeitung.
Fast 30 Minuten dauerte das tierischmusikalische Drama, welches dank dem Sprecher Jonas Bättig noch spannender wurde. Dabei wurde das Publikum in die einzelnen Szenen derart involviert, dass es die instrumentalen Anforderungen an die Solisten und das extrem knifflige Zusammenspiel aus der Wahrnehmung ausblendete und die hochkarätigen Leistungen als selbstverständlich hinnahm. Zurück blieb ein grossartiges musikalisches Erlebnis mit einem Schuss Humor.
«Herr Schubert hat es doch glatt gewagt und eine Sinfonie nicht beendet», sagte sich Paddington, der kleine Bär und bekannte Kinderbuchfigur aus England. Diese kindliche Sichtweise hat es ermöglicht, das Publikum mit der Geschichte des kleinen Bären Paddington zu Beifallsstürmen hinzureissen. In insgesamt 14 kleinen Szenen erzählt Komponist Herbert Chappell die berührende Geschichte Paddingtons, der aus «dem finsteren Peru» über Ungarn nach Westeuropa an sein erstes Konzert kommt.
Was Dirigent Tobias Arb mit seinem über 50-köpfigen Orchester bot, war von sehr hoher Qualität und berührte die Herzen des Publikums. Dem Orchester ist es gelungen, sich im gleichen Stück in verschiedenen Stil-Fragmenten zu bewegen: von Paddingtons Lied über peruanische Volksmusik und ungarische Tänze bis zu Haydns «Symphonie mit dem Paukenschlag» oder eben Schuberts Unvollendete. Die Musik war so vielfältig, die Leute am Schlagwerk brauchten 19 verschiedene Instrumente, darunter auch exotische.

Bärenstarke Sinfonie
Aber auch die konservativeren Fans des Orchesters kamen nicht zu kurz. Mit Haydns Symphonie in C, bekannt als «Bärensymphonie», stand ein fast 30 Minuten dauerndes Klassik-Werk auf dem Programm. Die Interpretation der vier Sätze, die alle in schnellen Tempi waren, gefiel durch eine energetische, teils derb-ländliche Ausdrucksweise. Festlich und mitreissend geriet der Auftakt, das Allegretto im Rondo (2. Satz) mit wunderschöner Mollvariante, das Menuett im 3. Satz gefiel durch die Holzbläser, und das Finale schliesslich wurde mit viel Energie und Hingabe gespielt. Das Publikum war zu Recht begeistert und liess das Orchester nicht ohne Zugaben von der Bühne.

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