Datum: 21.01.2009
Zeitung: Neue Nidwaldner Zeitung
Author: Hannes E. Müller

Erwärmendes fernab ausgetretener Pfade

Delibes, Mozart, Bloch, Haydn: Der Orchesterverein Nidwalden präsentierte am Neujahrskonzert alles andere als Einheitsbrei.

Der Orchesterverein Nidwalden und andere Sinfonieorchester haben etwas gemeinsam: das Neujahrskonzert. Einen kleinen Unterschied gibt es aber doch. Ersterer verlässt ausgetretene Pfade, während Letztere meist mit leichter Unterhaltung wie etwa Wiener Walzern und anderen Ohrwürmern das Publikum in Feststimmung bringen.
Das geschickt konzipierte Programm verlangte vom Dirigenten und den Orchestermitgliedern höchste Konzentration und Flexibilität, hatten sie sich doch mit vier grundverschiedenen Werken auseinanderzusetzen. Sie taten dies in geradezu brillanter Manier, zur Freude der traditionsgemäss in grosser Zahl erschienenen Zuhörer.

Kontrastreicher Auftakt
Eröffnet wurden die Darbietungen im Kollegi in Stans mit der mehrsätzigen Suite von Barocktänzen «Le roi s’amuse», welche Léo Delibes als Bühnenmusik für eine Ballszene eines Dramas von Victor Hugo schrieb, das 1832 uraufgeführt wurde.
Herrlich, wie Streicher und Bläser miteinander wetteiferten und mit welch grossem Einfühlungsvermögen sich das Orchester, mal als Kleinformation, mal als stattlicher Gesamtklangkörper, in Erscheinung trat. Das abwechslungsreiche Stück mit zahlreichen kleinen Soli erlebte eine beeindruckende Wiedergabe.
Delikat ist die Instrumentation beim Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Das elegante dreisätzige Werk bot den Solistinnen Verena Kesseli (Flöte) und Anne-Martine Hofstetter (Harfe) nicht nur bei den drei Kadenzen optimale Entfaltungsmöglichkeiten, wobei sie vom Orchester subtil und mitgestaltend begleitet wurden. Wie auch bei allen andern Werken achtete der souverän agierende Dirigent Tobias von Arb auf dynamische Kontraste, eine vorbildliche Phrasierung und eine spannungsgeladene Wiedergabe.

Mitreissendes Finale
Vordergründig wirkt Ernest Blochs Musik eher unspektakulär; beim genauen Hinhören entdeckt man aber unendlich viele Schönheiten. So auch bei der «Suite Modale» für Flöte und Streichorchester. Für den erkrankten Solisten Rudolf Zemp sprang kurzfristig Verena Kesseli ein, deren Spiel, wie schon bei Mozarts Instrumentalwerk, einen exzellenten Eindruck hinterliess.
Krönender Abschluss des Neujahrskonzertes war die Wiedergabe von Joseph Haydns mitreissender Sinfonie in D-Dur, Hob. I:70. Es handelt sich um ein kontrapunktisch höchst bemerkenswertes Werk, man denke etwa an die Tripelfuge im Schlusssatz. Bei diesem Werk wuchs der Orchesterverein Nidwalden über sich selbst hinaus, und für den nicht enden wollenden Beifall bedankte er sich mit einer Zugabe. Erwärmt von dieser Haydn-Sinfonie konnte den Zuhörern die kalte Januarnacht am vergangenen Samstag nichts anhaben, und der musikalische Einstieg ins neue Jahr war in jeder Hinsicht geglückt.

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