Datum: 09.06.2008
Zeitung: Nidwaldner Wochenblatt

Kaffehaus Musik Konzert

Der Orchesterverein Nidwalden und das Salonensemble „Fascination“ luden zu einem Kaffeehaus-Musik-Konzert und die Gäste strömten in Scharen in den Kollegisaal von Stans. Sowohl Musik mit Charme und Schmelz, als auch Kaffee und Kuchen wurden versprochen und beides konnte man geniessen, „solange es hatte“!

Kaum wurden die Türen geöffnet, waren die Plätze im Saal besetzt und die „Schlacht am Kuchenbuffet“ begann. Sofort war klar, dass auch auf die Empore nicht verzichtet werden konnte, wenn alle Gäste, junge und ältere, ja ganze Familien Platz finden wollten.
Man fühlte sich in die Belle Epoque versetzt: Die zwei Bühnen, die man im Saal platziert hatte, waren in sanftes Frühlingsgrün gehüllt und geschmückt mit zarten Röslein, stilvoll von frischem Efeu umrankt. Die etwas überdimensionalen Pastell-Papierblumen kündigten die grossen Gefühle an, die nun auf das Publikum übergreifen sollten. Eine fröhliche, unbeschwerte Stimmung machte sich breit, während draussen schwere Gewitterwolken aufzogen.
Im Saal spürte man davon nichts, denn jetzt betraten das Orchester und das Ensemble unter dem Applaus der erwartungsvollen Gäste die Bühnen. Nun setzte auch drinnen unvermittelt die „Ruhe vor dem Sturm“ der Gefühle ein. Das Salonensemble Fascination, mit den drei Geschwistern von Arb, Franziska (1. Violine), Monika (2. Violine) und Tobias (Orchesterdirigent und Pianist), sowie Rangit Shorter (Violoncello) und Nikola Ajdacic, (Kontrabass) eröffneten das Konzert mit einer Instrumentalversion des Wienerliedes „Drunt in der Lobau“. Die brillianten Geigen mit dem grossen Vibrato im Zwiegespräch mit dem tiefen Timbre des Cellos brachten schnell den Wiener Schmäh in den Saal. Das Stück hörte beschwingt auf und im Saal gab man sich dieser gemütlichen Kaffeehausstimmung gerne hin. Schon beim zweiten Stück „Ciel bleu“, einem Tango von Joe Rixner wurde aber klar, dass uns ein vielfältiges Programm bevorstand und die Spannung auf das, was noch kommen sollte, blieb bis zum Schluss erhalten.
Es würde den Rahmen sprengen, auf jedes Stück einzugehen; einige sollen aber doch beispielhaft besonders erwähnt sein. Locker wechselte das Klangbild vom kleinen Kaffeehaus-Ensemble zum grossen Salonorchester und wieder zurück. Mit dem Stück „Ich liebe dich“ von Edvard Grieg begann der erste Orchester-Block ziemlich ernst, sehr fein und gefühlvoll. Auch das folgende schwedische Volkslied „Vem kann segla förutan vind“ liess eher die tiefen Gefühle aufkommen.
Dieses Stück, bei dessen speziellem Arrangement auch der Dirigent Tobias von Arb mitschrieb, brachte trotz jazzigem Geigensolo die typisch nordische Melancholie schön zum Ausdruck. Diese Stimmung lockerte sich aber schnell wieder auf, als das Orchester zum lustvollen Spiel mit den „hüpfenden“ Geigen im „Jazz Pizzicato“ von Leroy Anderson ansetzte. So wurde man von den Gefühlen im Sturm hin und her gerissen.
Beim Stück „Meditation“ von Jules Massenet aus der Oper „Thaïs“ hörte das Publikum so andächtig zu, dass man nach dem Verklingen des letzten feinen Flacholet-Tons der ersten Geige kaum wagte zu applaudieren. Und natürlich war das Publikum von den grossen Klassikern der Salonmusik begeistert: „Salut d’amour“ von Edward Elgar, der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms und ganz besonders der Czardas von Vittorio Monti, den das Salonensemble mit der Sologeigerin Franziska von Arb sehr überzeugend und mit viel Feuer spielte.
Selbstverständlich fehlten auch amerikanische und englische Kompositionen nicht im abwechslungsreichen Programm und auch sie konnten mit ihrer besonderen Sentimentalität das Publikum begeistern. Das argentinische Tango-Feuer brachte man allerdings noch nicht so überzeugend zum Lodern; da kann wohl unser behäbiges Temperament einfach nicht ganz mithalten. Einen besonders gelungenen Akzent setzte der Dirigent mit dem Stück „Aria“, in dem Vereinspräsident Roland Bucher mit einem gepflegten Alt-Saxophon-Solo glänzte. Seiner Mutter, oder besser der Grossmutter seines Kindes, widmete Tobias von Arb das Stück „Grossmütterchen“ von Gustav Langer und gewann damit endgültig die Sympathien des begeisterten Publikums.
Keine Frage – das Konzert ging nicht ohne Zugaben beider Formationen über die Bühne. Das Publikum wollte eben „so lange es hat“. Erst als das Orchester das melancholische schwedische Volkslied vom ersten Teil nochmals intonierte und dabei auch noch mit feinem Gesang überraschte, fügte man sich – wohl etwas traurig, aber mit dem Gefühl, um ein beglückendes Erlebnis reicher zu sein.
Draussen hatte sich das Gewitter inzwischen verzogen und allen Gästen war und ist klar: Wir wollen das wieder – im nächsten Frühsommer!

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