Datum: 27.09.2010

Männerchor lässt Konzertsaal vibrieren

Der Stanser Männerchor füllte zweimal den Kollegi-Theatersaal. Grossen Anteil am Erfolg des Konzerts hatte der Orchesterverein Nidwalden.

Vielseitigkeit und unbändige Freude prägten das Festkonzert zum 150-Jahr-Jubiläum des Männerchors Stans. Für einen Höhepunkt sorgte eine Uraufführung.[/vc_column_text][vc_column_text]«Der Männerchor Stans ist Lebensqualität», sagte Gemeindepräsidentin Beatrice Ruf. Damit brachte sie all das auf den Punkt, was den Erfolg und die Beliebtheit des jubilierenden Chores ausmacht. Der Männerchor Stans mit seinen 77 Mitgliedern repräsentiert quasi einen Teil der Gesellschaft – mit dem Unterschied, dass es dank der Musik einen gemeinsamen Nenner gibt. Da singt der Handwerker neben dem Gerichtspräsidenten, der Lehrer neben dem Regierungsrat, der gestresste Unternehmer neben dem lebenslustigen Rentner. Und alle haben das gleiche Ziel und sind beseelt von der Liebe zur Musik, aber auch von der Kameradschaft.
Musik und Gesang machen so etwas möglich, nicht erst seit Nietzsches berühmten Spruch «Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum». Denn als der Männerchor Stans im Jahre 1860 gegründet wurde, war Nietzsche noch ein Kind.
Dazu kommt in Stans: Mit Joseph Bachmann ist seit zehn Jahren ein Dirigent am Ruder, der fähig ist, über das eigene musikalische Gärtchen zu schauen, ja musikalisch gar Grenzen zu sprengen.

130 Sänger und Musiker
So viel zur Grundstimmung des Männerchors. Unter solchen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass dem Chor am Wochenende ein bezauberndes Festkonzert gelungen ist. Zweimal ging im fast voll besetzten Kollegi-Theatersaal ein unvergesslicher Konzertabend über die Bühne, der mehr als jubiläumswürdig war.
Grossen Anteil an diesem Erfolg hatte auch der Orchesterverein Nidwalden. Männerchor und Orchester entführten das Publikum auf eine musikalische Reise vom venezianischen Barock über die Wiener Klassik bis in die Spätromantik. Seine Vielseitigkeit bewies Joseph Bachmann gleich zu Beginn. Als Solist spielte er, zusammen mit dem bekannten Trompetenvirtuosen Markus Würsch, das Konzert für zwei Trompeten von Antonio Vivaldi.
Nach dieser barocken Einstimmung wurde der Chor zu Beginn stark gefordert. «Die Himmel rühmen» von Ludwig van Beethoven liess den Konzertsaal vibrieren und die Herzen des Publikums höher schlagen. Rund 130 Musiker und Sänger präsentierten im Kollektiv eine eindrückliche Darbietung.
Auch das Detail stimmte: So blieb der grosse Klangkörper durchwegs transparent, und die Hobbysänger meisterten selbst die schwierigen verminderten Dreiklänge mit Bravour.

Verdi durfte nicht fehlen
Seinen Hang zur Vielseitigkeit bewies der Chor mit einem Jägerlied von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen Begleitung von warmen Klängen eines Waldhornquartetts erfolgte. Wieder im ganz grossen Stil mit dem ganzen Orchester erklang der Torrero-Marsch aus der Oper «Carmen» des unsterblichen Georges Bizet. Dirigent Joseph Bachmann schien dabei bewusst ein etwas langsameres Tempo zu wählen, um seine Sänger nicht zu überfordern.
Auch wenn nicht alle Spieler und Sänger mit dem gleich hohen Selbstbewusstsein ihren Part meisterten, gelang eine vortreffliche Darbietung, die beim Publikum unter die Haut ging. Nur ein Stück als Zugabe konnte dieses emotionale Erlebnis noch steigern: «Va, pensiero» aus dem berühmten Gefangenenchor aus «Nabucco». Auch wenn das Lied weltbekannt ist, ein Erlebnis ist es allemal, vor allem wenn es mit so viel Herzblut wie in Stans vorgetragen wird. Und von einem Orchester begleitet wird, das den höchst anspruchsvollen Begleitpart mit Bravour bewerkstelligte.

Dirigent als Komponist
Apropos Orchester: Auch der Orchesterverein unter der souveränen Leitung von Tobias von Arb brillierte. Erwähnenswert sind unter anderem drei Ungarische Tänze von Johannes Brahms oder der Slawische Tanz von Antonin Dvorák. Für einen Höhepunkt sorgte eine Uraufführung. Komponist Joseph Bachmann hat sie schlicht mit «Geburtstagsständchen» betitelt. Es ist ein Spielstück zum 150-Jahr-Jubiläum des Männerchors Stans mit Melodien «aus dem eigenen Garten», wie der Komponist schreibt. Die Uraufführung erwies sich als eine höchst originelle Komposition, interpretiert mit Leidenschaft und in berückender Schönheit.

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